Probedurchlauf: Das Spiel zum ersten Mal ausprobieren.

Vom 18. bis 22. März fand unser erster Try-Out des Rollenspiels “Auf den Spuren eines Migranten” statt. Nach monatelanger Arbeit konnte unser Konsortium das erste Skript der europäischen Version des Spiels fertigstellen, und wir waren gespannt, wie es angewendet werden würde. Wir wählten eine große Gruppe von Personen aus unseren vier Partnerländern mit unterschiedlichen Fachkenntnissen und aus verschiedenen Disziplinen aus. Es gab Menschen mit und ohne eigenen Migrationshintergrund und Fachleute aus dem Migrationsbereich, die von Sozialarbeitern über Akademiker, Studenten, Künstler, Journalisten, Lehrer, Spieleentwickler und Jugendarbeiter reichten.

Tag 1 – Anreise

Der erste Tag war der Anreisetag, an dem die Teilnehmer aus ganz Europa zum Gäste- und Seminarhaus in Berlin-Weißensee anreisten. Wir begrüßten die Teilnehmer und führten sie durch ihre Räume. In der Zwischenzeit war unser Team sehr damit beschäftigt, die letzten Teile der Spielunterlagen auszudrucken. Wir eröffneten das Trainingsprogramm an diesem Tag mit einem gemeinsamen Abendessen und einigen ersten Kennenlernaktivitäten.

Tag 2 – Einstieg in das Thema

Am zweiten Tag führten wir die Gruppe mit Hilfe verschiedener non-formaler Bildungsmethoden in das Thema Migration ein. Nach einem Vormittag mit Gruppenbildungs- und Namenslernmethoden diskutierten wir über das Thema Grenzen und unsere Assoziationen mit sichtbaren und unsichtbaren Grenzen. Dann führten wir eine Methode durch, die die Verteilung von Menschen, Reichtum und Flüchtlingen auf der ganzen Welt visualisierte. Es war eine hilfreiche Einführung in den nächsten Tag, den Spieltag.

Tag 3 – Spieltag

Am dritten Tag war es endlich an der Zeit, das Spiel anzuwenden. Alle waren sehr gespannt, wie sich das Spiel in der Praxis gestalten würde. Am Vormittag begannen wir mit einer Einführung in die Räumlichkeiten. Da wir das Spiel in einem großen Gebäude mit vielen Räumen und externen Personen, die ein- und ausgehen, anwenden, mussten wir das Spielgebiet und seine Grenzen definieren. Wir erklärten auch die Spielregeln und die Konzepte von Zeit und Geld im Spiel. Dann teilten wir die Gruppe in zwei und verteilten die Skripte und Requisiten der Charaktere unter den Spielern. Sie bekamen etwas Zeit zum Lesen und Fragen stellen, und dann konnte man sich auf der im Korridor gelegenen Galerie eines der Charakterporträts aussuchen, um sich besser mit ihrem Charakter identifizieren zu können. Während eines stillen Mittagessens hatten alle Zeit, sich in ihre Rolle zu versetzen.
Um genau 14:00 Uhr begann das Spiel. Es gab Migrantencharaktere und Personal mehrerer Stationen, die auf verschiedene Räume verteilt waren. Die Aufgabe der Migranten bestand darin, in das imaginäre Land Minosia zu gelangen und sich in der neuen Gesellschaft zurechtzufinden, indem sie sich ein Visum besorgen, die Sprache lernen und einen Job aufnehmen. Auf ihrem Weg sahen sich die Migrant_innen mit verschiedenen Herausforderungen und Problemen konfrontiert, und sie mussten sich mit Problemen wie der Sprachbarriere, einem niedrigen wirtschaftlichen Status, fehlenden Dokumenten, Polizeikontrollen, langen Wartezeiten usw. auseinandersetzen. Einen ausführlicheren Bericht über die Erfahrungen des Spiels aus der Perspektive eines Migrantencharakters findest Du hier, geschrieben von einem unserer Teilnehmer: Das Migrationsspiel spielen.
Nach drei Stunden Spielzeit läutete die Glocke als Zeichen, dass das Spiel beendet war. Einige waren erleichtert, als sie es in die Endphase schafften, andere waren enttäuscht, weil sie es nicht schafften, ihre Arbeit rechtzeitig zu erledigen. Die meisten waren von vielen Emotionen überwältigt, und nach einer kurzen Pause hatten wir eine erste Impressionsrunde, um die ersten Spannungen und Emotionen abzubauen und Erfahrungen auszutauschen, bevor wir den Tag beendeten.

Tag 4 – Nachbesprechung

Am nächsten Morgen, am vierten Tag, setzten wir die Auswertung des Spiels fort. Mit frischem Geist konnten die Teilnehmenden über ihre Rolle und ihre Erfahrungen vom Vortag nachdenken, indem sie prächtige Collagen und Zeichnungen anfertigten. Nachdem sie sich gegenseitig Collagen gezeigt und ihre Gedanken ausgetauscht hatten, fuhren wir mit einer Methode zur Stereotypisierung und ihrer Verbindung mit den Erfahrungen des Vortags fort. Dann wurden die realen Lebensgeschichten, einschließlich der Porträts der Migrantencharaktere, verteilt. Alle hatten Zeit, sie zu lesen, darüber zu sprechen und zu reflektieren, um zu erkennen, dass dieses Spiel in Wirklichkeit kein Spiel, sondern Realität ist. Obwohl es sich um eine erfahrene Gruppe von Spielern mit einem hohen Wissensstand über Migration handelte, war es dennoch beeindruckend zu sehen, wie die Geschichten aus dem wirklichen Leben (von denen einige zu unserem Team und unserer Gruppe gehörten) einen großen Einfluss auf die Gruppe hatten. Am Nachmittag setzten wir unsere Sitzung mit einer World-Café-Methode fort, bei der verschiedene Themen, die während des Spiels angesprochen wurden, diskutiert wurden. Bei den Tischthemen, die diskutiert wurden, ging es hauptsächlich um Rassismus, Privilegien, Menschenrechte, koloniales Erbe und institutionelle Diskriminierung. Das Weltcafé wurde mit einer ” Engagement”-Wand abgeschlossen, an der alle eingeladen waren, ihr Engagement für eine Veränderung in ihrem eigenen täglichen Leben und ihrer Arbeit festzuhalten. Der Rest des Nachmittags wurde damit verbracht, ein umfangreiches Auswertungsformular über die Funktionalität des Spiels auszufüllen, da der Probelauf dafür vorgesehen war, dass wir konstruktives Feedback darüber erhalten, wie wir das Spiel verbessern können.

Tag 5 – Auswertung und Abreise

Am letzten Tag setzten wir die Auswertung des Spiels in Kleingruppendiskussionen fort, in denen viel tolles und konstruktives Feedback und Input zur Verbesserung des Spiels gegeben wurde. Alle Rückmeldungen und Ergebnisse wurden gesammelt, so dass der rumänische Partner Art Fusion sie in einem Evaluierungsbericht überarbeiten konnte. Nach einem gemeinsamen Mittagessen war es Zeit für unseren Abschied, und alle Teilnehmenden kehrten mit einem Koffer voller Erinnerungen, Emotionen, Eindrücke und Verpflichtungen für die Zukunft nach Hause zurück. Wenn wir auf den Probelauf zurückblicken, sind wir mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Der Partner Art Fusion wird alle Rückmeldungen und Evaluierungsergebnisse in einem Bericht zusammenfassen, damit wir mit der nächsten Phase dieses Projekts fortfahren können: der Überarbeitung der Europäischen Version und dem Beginn der Entwicklung der nationalen Versionen des Spiels. Dank all der engagierten und wunderbaren freiwilligen Teilnehmenden unseres Probespiels, ist unsere Entwicklungsarbeit nun zum Leben erwacht, und wir sind bereit für die nächste Stufe in diesem herausfordernden, aber spannenden Projekt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.